Alles begann mit dem Kauf eines Zeltes. Ein ordentliches Zelt musste her, hatte ich beschlossen und auf ebay das Hielo (1 oder 2 weiß ich nicht mehr) von Mountain Equipment erstanden. Die Marke Mountain Equipment bedarf unter Berg-affinen Menschen keines Kommentars, für die anderen, hier ein Zitat von deren Webseite: “It’s not our job to try to tell people why they go to the wild places and mountains. It’s our job to make the very best gear in the world.”
Die Schladminger Tauern faszinierten mich schon länger. Aufgrund freundschaftlicher Bande war ich öfters Mal im Ennstal, war also mit der Gegend schon etwas vertraut. Ich setzte mich in Wien in den Zug, fuhr nach Schladming und von dort mit dem Bus zu den Riesachfällen am Ende des Untertals. Der Rucksack, den ich gepackt hatte, inkl. Zelt, Schlafsack und Isomatte hatte ein beachtliches Gewicht, doch das Abenteuer fing ja grade erst an und ich war voll motiviert. Also stapfte ich flotten Schrittes Richtung Talschluss und hinauf zur Gollinghütte.

Die Nacht auf der Hütte wurde eine schlaflose, da eine Gruppe Männer aus der Gegend so etwas wie den Saisonabschluss auf der Hütte feierte und sich das Lager direkt oberhalb der Gaststube befand. Als in den frühen Morgenstunden der letzte Besoffene krachend das Lager betreten und sich zur Ruhe gelegt hatte, war das Schnarchkonzert bereits voll im Gange. Trotz guter Ohrstöpsel hatte ich als sehr geräuschempfindlicher Mensch da wenig Chancen auf erholsamen Schlaf. So beschloss ich gegen 5 Uhr, aufzustehen und meinen Abstecher auf den Hochgolling zu starten – ohne Rucksack.

Während die Gollinghütte noch schneefrei war, hatte sich in den letzten Tagen etwas weiter oben bereits eine Schneedecke über die Berge gelegt. So wurde nicht nur der sehr steile Aufstieg zur Gollingscharte zum Abenteuer, sondern es war auch von dort aus an ein Weitergehen nicht mehr zu denken. Hier hätte man Steigeisen und Pickel gebraucht, aber die hatte ich nicht dabei. Also ging ich wieder zurück zur Hütte, schulterte meinen Rucksack und machte mich auf den Weg Richtung Klafferkessel und Greifenberg.

Der Aufstieg zum Greifenberg war nun schon eine andere Liga, mit den geschätzten 22kg am Rücken und auch der Abstieg auf der anderen Seite zum Lungauer Klaffersee sollte interessant werden. Der sehr steile Einstieg in den Abstiegsweg war etwas überwächtet und ich musste mit meinem Koloss am Rücken erst mal einen Weg finden, die Situation zu meistern. Vom Greifenberggipfel schoss ich mit meiner Canon Powershot A610 ein Panorama, das zwar nicht meinen heutigen Ansprüchen genügt, aber dennoch zeigt, dass ich auch damals schon aus einer consumer level camera ganz gute Ergebnisse heraus kitzeln konnte (Klick ins Bild).

Am See angekommen, fühlte ich mich zutiefst dankbar und beschenkt, nach all den überstandenen Gefahren und Strapazen. Ich war allein, nur ein Adler flog über meinem Kopf davon. Nachdem das Zelt aufgestellt und die Sonne untergegangen war, kam ein Sternenhimmel zum Vorschein, an den ich mich heute noch – 13 Jahre später – erinnern kann.

Am nächsten Tag ging es hinunter nach Lessach und weiter nach Tamsweg. Zu Beginn wohl einer der schönsten Abstiege, die ich je erlebt hatte. Das Wiedereintauchen in die Wärme, die lebendige Natur – von einer Wüste aus Eis, Schnee und Stein, zurück in die Welt der plätschernden Bäche, Bienen, Libellen, Gräser und Bäume war unbeschreiblich schön. Gegen Ende wurde dieser Abstieg aber zu einem Gewaltmarsch. Mit dem viel zu schweren Rucksack, fühlte es sich an, als würden meine Beine bei jedem Schritt ein Stück weiter komprimiert. Die letzten Kilometer auf Asphalt habe ich bis heute in schmerzlicher Erinnerung. Ich habe mir damals geschworen, nie mehr mit so unsinnig schwerem Gepäck wandern zu gehen. Ich habe mich – fast immer – daran gehalten.

Von Tamsweg ging es mit dem Zug zurück nach Wien.